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GOLIATH
In einem Dorf lebte einmal ein kleiines Mädchen, es hiess Monika. Monika war ein hübsches Kind, und ihre Eltern waren so stolz auf ihre Tochter, dass sie sie tüchtig verwöhnten. Monika hatte ein ganzes Zimmer voll Spielsachen, Malzeug, Kleidern, Kettchen, Büchern. Aber trotz allem war Monika ein unzufriedenes Kind: sie wollte immer noch mehr und noch mehr, Ja, sie wurde zornig, wenn ein anderes Mädchen im Dorf ein neues Kleid hatte, sie wurde neidisch, wenn ein Junge einen Fussball zum Geburtstag bekam. Und da Monika so oft neidisch und zornig war, hatte sie auch keine Freunde. Nur ein kleiner Junge, Matthias, hatte sie sehr lieb, er versuchte immer wieder Freundschaft mit der hübschen Monika zu schliessen. Doch wenn Matthias fragte: "Monika, willst du mit mir spielen? Ich habe schöne Glasmurmeln, ich gebe dir die Hälfte davon", dann sagte die verwöhnte Monika nur: "ich habe viel schönere Glasmurmeln, als du. Geh' weg, ich brauch dich und deine Murmeln nicht. Ich mag euch alle zusammen nicht!" Und den andern Kindern rief sie zu: "geht fort von hier, trollt euch! ich mag euch nicht, ich brauch euch nicht!"
Einmal, an einem schönen Sommertag, war ein Fest im Dorf. Karuselle waren azfgebaut worden, eine kleine Kapelle spielte zum Tanz auf. Die Kinder, die Eltern und die Grosseltern waren vergnügt und lustig und ein jeder versuchte so gut er konnte zu tanzen. Nur Monika stand verdrossen abseits.
"Monika, willst du mit mir tanzen?" fragte Matthias. "Oh, nein! lass mich in Ruhe, ich mag euch alle
cht!" Matthias war die Freude an dem Fest verdorben, warum nur war Monika so garstig? Und doch war sie das hübscheste Mädchen vom ganzes Dorf, und Matthias hatte sie trotz allem sehr lieb. Der arme Junge war traurig. Wie konnte er nur Monikas Freundschaft gewinnen? Plötzlich hatte er einen Einfall. Der Junge lief rasch nach Hause. Er brauchte dort nicht lange zu suchen: "miau! miau!" Ein kleines Kätzchen lief ihm entgegen und schmiegte sich an seinen Hernn. Dieses Kätzchen war ein Geschenk von Matthias` Grossmutter. Matthias hatte es Goliath getauft. Es war noch sehr jung und schneeweiss. Der Junge nahm den kleinen Goliath in seine Arme und lief rasch über den Dorfplatz zu Monika. "Schau, ich bring dir mein kleines Kätzchen. Es heisst Goliath. Möchtest du es streicheln?"
Zuerst warf Monika nur einen geringschätzigen Blick auf das Tierlein und sagte: "Goliath ist kein Name. Wetten, du weisst nicht mal wer Goliath war. Das war ein Riese in der Bibel, du Dummkopf!" Aber als sie das weiche ,weisse, samtene Fell sah und das leise "miau, miau!" hörte, hatte das Mädchen plötzlich Lust so ein Kätzchen selber zu besitzen.
t "Was, streicheln soll ich deine Katze? gib sie mir, gib sie mir! sie soll mir gehören!" und Monika riss das kleine Tier auch Matthias Armen und mit einem hässlichen "geh heim, geh du nur heim, ich brauch dich nicht!" liess sie den weinenden Jungen stehen.
Monika lief rasch zum Haus ihrer Eltern, die Treppe hinauf, in ihr Zimmer,und schloss dort das Kätzchen in ihren Kleiderschrank ein.
Natürlich wusste Monika genau, dass sie schlecht gehandelt hatte. Sie wusch sich die Hände, kämmte ihr Haar und rief ihrer Mutter zu: "Mama, ich bin so müde vom Fest, ich möchte nur gern ein Glas Milch trinken und dann zu Bett gehen."
Monika brachte die Milch dem kleinen Goliath, der aber aus Angst vor der ungewohnten Umgebung und dem schrecklichen Kleiderschrank-Gefängnis gar keinen Durst hatte.
Monika zog ihre Kleider aus, legte sie auf einen Stuhl, schlüpfte in ihr hübsches rosa Nachthemd, nahm ihr lebendiges Spielzeug in die Arme und legte sich in ihr Bett. Sie war müde, auch das Tierlein beruhigte sich, und beide schliefen bald ein.
Vor Monikas Fenster stand ein grosser Baum, und in diesem Baum wohnte ein Käuzchen. Das Käuzchen hatte alles beobachtet, was Monika Böses an diesem Tag getan hatte. Und so rief es am späten Abend dem Mond zu:
"Mond, Mond, mein Freund,
hast du wohl gesehen,
was hier geschehen?"
Der gute Mond brummte nur: "das Mädchen verdient eine Strafe" und weiter sagte er:
"Meine tausend Fingerlein,
meine tausend Sklaven,
soll'n das Mädchen strafen!"
Und aus allen Himmelsrichtungen leuchteten, glitzerten, drängten sich die Mondstrahlen durch Monikas offenes Fenster in das Kinderzimmer. Was sie dort taten, sah nur das Käuzchen.
Früh am anderen Morgen, als das Käuzchen fest schlief, sassen auf dem Baum vor Monika`s Fenster viele, viele Vöglein, die sangen und jubelten die Sonne an und weckten mit ihrem "zwitschi-zwitschi" das Mädchen. Monika schlug die Augen auf, reckte sich und streckte sich. Da fiel ihr das Kätzchen vom Vorabend ein.
"Wo bist du, mein Liebling?" Aber dem Mädchen stockte fast der Atem, als sie sich umdrehte und in ihrem Bett an Stelle des kleinen weissen Kätzchens einen schwarzen Riesenkater sah. Der Kater war grösser als Monika, kohlschwarz, hatte spitze, scharfe Zähne und einen mächtigen Schnauzbart. Mit einer bösen Stimme befahl er Monika: "Komm mit mir, sofort, ich führe dich in mein Land. Wenn du nicht gehorchst, beiss ich dich!"
Monika wollte nicht, sie sträubte sich und hatte angst vor dem garstige Riesenkater. Der aber wartete nicht lange, zerrte das Mädchen aus dem Zimmer, die Treppe hinunter, aus dem Haus, über die Dorfstrasse, über Felder und Wiesen in den Wald.
Monika weinte und schluchzte. Sie hatte grosse Angst, aber auch weh an den nackten Füssen. Sie trug nur ihr dünnes rosa Nachthemd und war barfuss. Ihr Nachthemdchen wurde schmutzig und zeriss an Sträuchern und Dornen, durch die der grosse Goliathkater sie zog, und ihre Füsse waren von den spitzen Steinen, über die sie gehen musste, verletzt und bluteten.
Endlich, endlich standen sie vor einem schmucken Häuschen mitten im Wald. Das Häuschen war rosa, hatte blaue Fensterläden und viele bunte Blumen vor den Fenstern. Erst hier liess der Kater Monika`s Hand los, klatschte in die Pfoten und fünf wunderhübsche, schneeweisse Kätzchen kamen angerannt. Jedes Kätzchen gab dem Vater einen Kuss und sagte "guten Tag, Papa". Das grösste Kätzchen fragte:
"Was hat du uns denn mitgebracht, Papa? Ein Menschenmädchen? Was sollen wir denn mit einem Menschenmädchen machen?"
"Nehmt das Kind, es heisst Monika, und versucht mit ihm zu spielen" antwortete Goliath, drehte sich um und verschwand im Haus.
Die Kätzchen besahen sich Monika von allen Seiten, strichen mit den Pfötchen über das zerissene rosa Nachthemd, und ganz sachte über die nackten Arme und Beine.
"Fasst mich nicht an, ihr garstigen Katzen!" schrie Monika und klopfte böse auf die kleinen, weissen Pfoten. Aber im Grunde hatte sie doch grosse Angst, Angst vor Goliath und seinen fünf Katzenkindern, Angst vor all dem Unbekannten. Was tun? Fortlaufen?
Aber kaum hatte Monika ein paar Schritte gemacht, holten sie die Kätzchen schon ein, hängten sich an Monikas Nachthemd und schüttelten sich vor Lachen.
Monika hatte nicht gewusst und noch nie gesehen, dass Katzen lachen können, auch nicht dass Katzen sprechen können. Aber jetzt riefen die Kätzchen ganz deutlich:
"Monika, komm mit uns, es gibt Abendessen, gute Milch! Komm mit uns!" Monika hatte grossen Durst und auch Hunger. Milch? Oh ja, das hätte sie jetz gerne, sehr gerne getrunken. Und so folgte sie auf ihren schmerzenden Füssen den Kätzchen in das rosa Haus, in ein grosses, blitzsauberes Zimmer. Mitten im Zimmer stand eine breite Schale mit guter Milch auf dem Boden. Die kleinen Katzen stelltren sich um die Schale. Höflich liessen sie einen Platz für Monika frei, und dann fingen sie an die süsse, gute Milch mit ihren Zünglein zu lecken. "niam - niam - niam".
"Monika, leck mit uns, die Milch schmeckt so gut!"
Aber Monika dachte nicht daran mit den Kätzchen aus einer Schüssel zu trinken.
"nein, nein, ich will eine Tasse!"
Doch während Monika noch nach einer Tasse rief, war die Schale leergeleckt und kein Tropfen für Monika übriggeblieben.
Kaum war die Schale leer, als die Kätzchen das Mädchen durch eine niedrige Tür in ein anderes Zimmer schoben.
Dieses Zimmer war ganz klein und mit einem weissen Teppich ausgelegt. Die Kätzchen kuschelten sich zusammengerollt auf den Teppich, wollten Monika zu sich auf den Boder ziehen. Aber die schrie:
"ich schlafe nicht mit euch auf dem Boden, nein! nein! ich will ein Bett! ich will ein Bett!"
Während Monika noch schrie, breiteten sich die Kätzchen fein ordentlich auf dem Teppich aus, machten sich`s bequem und füllten das ganze Zimmer aus. Es blieb nur noch ein kleiner Platz auf dem weissen Teppich für Monika`s nackte, wunde Füsse. Und so musste das Mädchen die ganze Nacht stehen, sie konnte sich nicht einmal hinsetzen. Monika war so unglücklich, so müde, so hungrig und ihre Füsse taten ihr so weh!
Die Nacht in dem Katzenhaus dauerte aber Gott sei Dank nicht lange. Der erste Sonnenstrahl weckte die Katzenkinder. Sie reckten und streckte und leckten sich und trollten lustig in das grosse, blitzsaubere Zimmer nebenan, in dessen Mitte die breite Schale wieder mit Milch gefüllt war. Im Nu standen die Kätzchen um die Schale und leckten die süsse Milch. Diesmal luden sie Monika nicht ein, mitzutrinken. Doch diese war so durstig. Höflich fragte sie:
"liebe, weisse Kätzchen, darf ich mit euch von eurer Milch trinken?"
Als Antwort gaben die Katzenkinder Minuka einen grossen Platz an der Schale frei, und diese machte es den Katzen nach und leckte, leckte, leckte sich satt. Aber Monika war nicht gewohnt aus einer Schüssel auf dem Boden zu trinken und daher war ihr ganzes Gesicht weiss von Milch: die Lippen, das Kinn, die Nase, ja sogar die Stirn. Eben wollte sie rufen, sie brauche eine Serviette, als sie sah, wie die Kätzchen, die auch ein milchverschmiertes Gesicht hatten, sich zierlich und appetitlich sauberleckten und sauberwischten. Monika versuchte es ihnen nachzumachen und siehe da: es gelang ihr recht gut und sie war stolz darauf.
Nun kam Vater Goliath und rief:
"Guten Morgen, ihr alle, meine Lieben! Kommt mit mir, ich habe für jeden von euch eine hübsche, fette Maus, ein Festessen!"
Eine Maus essen, ach, arme Monika! Mit hängendem Kopf schlich sie zu Goliath.
"bitte, lieber Katerpapa, bitte erlaub mir die Maus nicht essen zu müssen. Bitte!"
Was Goliazh geantwortete hat, weiss niemand, denn plötzlich lag Monika wieder mit dem sauberen, rosa Nachthemdchen und gesunden Füssen in ihrem Bett und schlief.
Das Käuzchen im Baum vor Monikas Fenster hatte alles beobachtet und rief dem Mond, der eben vom Himmel verschwinden wollte, zu:
"Mond, Mond, mein Freund,
hast du wohl gesehen,
was hier geschenehn?"<
Der gute Mond brummte nur: "das Mädchen verdient eine Belohnung, es ist eine Freude zu hören und zu sehen, wie lieb dieses Kind geworden ist." Und weiter:
"Meine tausend Fingerlein,
meine tausend Leute,
macht dem Kind `ne Freude!"
Und von allen Himmelsrichtungen leuchteten, glitzerten drängten sich die Mondstrahlen durch Monika`s offenes Fenster in das Kinderzimmer. Was sie dort taten, sah nur das Käuzchen
Früh, am anderen Morgen, als das Käuzchen fest schlief, sassen auf dem Baum vor Monika`s
nster viele, viele Vöglein, die sangen und jubelten die Sonne an und weckten mit ihrem "zwitschi - zwitschi" das Mädchen. Zögernd öffnete Monika die Augen, blinzelte und sah ein kleines, weisses Kätzchen auf ihrer Brust liegen. Sie war ganz verwirrt. Eben war sie doch noch im Katzenhaus im Wald gewesen, hatte Milch geleckt, hatte den grossen Goliath gebeten keine Maus essen zu müssen. Sie sah ihr sauberes Nachthemd, ihre gesunden Füsse. War alles nur ein schlimmer Traum gewesen? Ja, sicher. Aber es fiel ihr auch ein, wie böse sie gestern mit Matthias gewesen war, und dass der kleine Goliath ja sein Kätzchen war.
Monika hatte keine Zeit sich anzuziehen, die nahm das Kätzchen fest in die Arme. Barfuss lief sie die Treppen hinunter, schlüpfte durch die Haustür, und rannte zu Matthias. Der stand traurig, mit rotgeweinten Augen und hängendem Kopf an der Gartentür.
"Lieber, lieber Matthias, verzeih mir bitte! ich war gestern so böse zu dir. Es tut mir leid. Und bitte, bitte noch einmal: verzeih mir. Ich will nie mehr so böse zu dir sein, nie mehr. Hier ist dein kleiner Goliath."
Matthias war so erstaunt über das, was er hörte und so erstaunt über das, was er sah: eine beschämte und liebe Monika, die sogar Tränen in den Augen hatte. Er legte den Arm um seine Freundin, und weil er nicht wagte sie zu küssen, drückte er einen herzhaften Kuss auf das kühle, feuchte Seidenschnäuzchen von Goliath.
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