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Asta

Asta war ganz alleine, als sie ihre Jungen zur Welt brachte. Prächtige Babys! Sie sah ihre Kinder stolz an, leckte sie liebevoll trocken und sauber, sie war glücklich.
Asta war gewohnt gescholten und geprügelt zu werden, daher hatte sie immer ein schlechtes Gewissen, immer Angst, den Ärger ihrer Herrn zu erregen. Ob man mit ihren drei prächtigen Babys zufrieden war? Oder ob man sie schalt, weil sie sich und ihre Jungen in der Ecke eines alten Schuppens eingerichtet hatte, weil ihr Lager mit einer alten, zerrissenen Schürze ausgebettet war?
Asta hatte nicht viel Zeit zum Nachdenken. Ihre Jungen, kaum geboren, hatten schon Hunger und suchten bei der Mutter nach guter, warmer Milch. Ja, die Milch war gut und Asta war zufrieden: sie spürte die warmen Hundeschnäuzchen an ihrem Bauch. Solche Zärtlichkeiten war Asta nicht gewohnt und so konnte sie nicht widerstehen: sie musste die Zärtlichkeiten zurückgeben. Sie leckte die drei Babys mit ihrer weichen, warmen Hundezunge. Ja, Asta war zum ersten Mal in ihrem Leben glücklich.
Aber das sollte nicht lange dauern.
"Schau dir mal diese Bescherung an, Susanne!" rief eine derbe Männerstimme.
In die wohlige Dämmerung des Schuppens fiel grelles Sonnenlicht.
"Verdammtes Mistvieh, rief eine schrille Frauenstimme, was, Junge hat der Köter! Lauf Hans-Rudi, hol einen Sack und steck die Brut hinein, wirf sie in den Bach. Ich hab schon genug Viehzeug, Arbeit und Mühe hier. So eine Hundebrut hat mir gerade noch gefehlt!"
Schimpfend entfernte sich die böse Stimme.
Natürlich verstand Asta die menschliche Sprache nicht. Aber sie war eine kluge Hündin und kannte die Menschen. Sie verstand den Ton der scheltenden Stimme und spürte, dass ihren Jungen Gefahr drohte.
Rasch nahm Asta eines ihrer Jungen ins Maul, schaute vorsichtig durch die Tür des Schuppens und als sie den Weg frei sah, rannte sie über den Hof, über die angrenzende Wiese dem Walde zu. Doch Asta musste noch eine gute Weile im Wald nach einem Versteck suchen.
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Vater und Mutter hatten Mühe mit Tim Schritt zu halten. Der Bub rannte um Arkas Leben. Hie und da drehte er sich nach seinen Eltern um und rief ihnen "rasch, rasch!" zu.
Als Tim Arka fand, war die Hündin schon gestorben. Die Eltern, die ein wenig später auf der Unglücksstätte ankamen, sahen, wie sich ihr Sohn über den toten Hundekörper warf und das tote Tier küsste und streichelte.
Vater und Mutter sahen sich an und erklärten sich nun die einsamen Pick-Nicks und die glücklichen Ferien ihres lieben, kleinen Sohnes. Sie liessen ihrem Jungen Zeit sich auszuweinen. Endlich schaute Tim auf, sah den Vater aus rotgeweinten Augen verzweifelt an: "Was sollen wir nur tun?"
"Ich glaube," sagte der Vater, "wir beschaffen uns zwei Spaten und graben deinem Hund ein schönes Grab, mitten im Wald."
"Und ich", meinte die Mutter, "ich nehme den Kleinen mit. Ich will ihm etwas zu essen finden. Und wenn man uns je im Hotel Schwierigkeiten wegen des Hundes macht, nehmen wir uns einfach eine Ferienwohnung."
Tim sah seine Mutter entgeistert an. Er stand auf und stammelte: "ja, können wir denn Arkas Baby behalten?"
"Tim", antwortete die Mutter, "deine Freundin hat dir, kurz vor ihrem Tod, ihr Kleines anvertraut. Sie war sicher, dass du das kleine Hündchen liebhaben und gut pflegen wirst. Ich glaube, das hast du ihr auch versprochen, und dieses Versprechen musst du natürlich halten. Vater und ich, wir wollen dir dabei helfen so gut wir können.
Tim sah vom Vater zur Mutter, die den kleinen Sohn Arkas auf den Armen hielt.
Endlich verstand er Mutters Worte. Er schlang seine Arme um ihren Hals und schluchzte und lachte vor Schmerz und vor Freude.

Mit den Eltern
Illustrationen Inge Ellinger

Updated on 14 nov. 06 at 09:19:22 Webmaster - E-mail Webmaster